Friday, October 30, 2009

gute Nachrichten

Der ehemaliger Hassprediger, Mohammed al-Fasasi, hat im Gefängnis einen Brief verfasst, in dem er sich von der Gewalt und Terrorismus lossagt. Der Brief liegt in arabischer und deutscher Fassung in vielen Moscheen vor.

Ich nenne das Gebetserhörung.

Für mehr Info siehe dieser Artikel.

Monday, October 26, 2009

Flatrate-Gebet

Heute beim Jugendtreffen-plus hat Thorsten Riewesell über Gebet bei Paulus gepredigt. Ich hatte TR nie gehört und war sehr angetan von mindestens drei Sachen:

- Gebet für die Welt ist nicht einfach so ein frommes Ding, sondern: Paulus Gedanke, für die Welt zu beten kommt her vom Kreuz. Darum, weil Christus für alle Welt gestorben ist, darum beten wir für alle Welt.

- TR hinterfragte den Gedanken "alle Welt, alle Menschen" - (etwa: vielleicht klingt es zu idealistisch und naiv) um dann nur den Zynismus zu hinterfragen (etwa: warum denn nicht alle Menschen, alle Welt!!?)

- Wir müssen nicht warten bis zum günstigen Tarif-Zeitpunkt um zu beten, sondern wir haben ein Flatrate - also online gehen!

Tuesday, September 01, 2009

angekommen


Unsere kleine Tochter verbreitet seit Anfang Juli uns gute Laune. Klar, da ist manches mit ihr eine Umstellung. Doch ihr sonniges Wesen macht froh und dankbar. Und sie schläft sehr gut. Jeden Tag mit ihr kosten wir aus. Ich freue mich auf den Tag, wo ich mit ihr reden kann und sie besser kennen lernen. Aber erstmal lächeln wir uns gegenseitig zu.

Seit Ende Juli wohnen wir in Plettenberg, eine Stadt im Sauerland. Dort arbeite ich in eine LKG und bin dankbar für die viele Menschen, die angepackt haben beim Umzug. Es ist sehr spannend, was sich hier entwickelt hat und noch entwickeln wird.

Bis jetzt habe ich über das Abendmahl und über die Liebe (1 Kor 13) gepredigt. Ich finde mich so langsam hier ein. Das Sauerland ist im Umbruch und Aufbruch, wie ich finde!

Wednesday, July 15, 2009

reformierte Spiritualität

Der liebe Stefan zitierte (zum Nachdenken) einen gewissen Peter Scazzero, der die Entwicklung einer gesunden Gebetshaltung in vier Schritten beschreibt. Jeder Schritt bedeutet eine qualitatives geistliches Wachstum. Am Ende steht, dass man in Gottes Gegenwart verweilt und nichts sagt.

Ich habe nachgedacht und es regt mich an ein anderes Zitat zu bringen, das in eine andere Richtung weist und meine (reformierte) Tradition der Spiritualität eher entspricht:

"In den mystischen und kontemplativen Traditionen, ist das Ziel die Union mit Christus. Union mit Christus geschieht durch ein Muster von geistlichen Übungen oder eine Reihe von geistlichen Ebenen. Das Bild von einem Leiter wird oft verwendet. Doch die Spiritualität des Evangeliums ist dem entgegengesetzt: Union mit Christus ist nicht das Ziel der Spiritualität, sondern die Grundlage der Spiritualität. Sie wird nicht erreicht durch Übungen oder Ebenen, sondern wird geschenkt durch den kindlichen Glauben."
Steve Timmis und Tim Chester, Total Church, S. 139. (Üs. S.S.)


Scazerro will es bestimmt nicht so, aber seine vier Schritte wirken für mich elitär, weil ich nicht auf seine Etage bin. Ich habe Freunde, die von Zeiten der absoluten Stille profitieren. Das sei denen herzlich gegönnt. Ich werde eher kirre dabei und brauche das, was mir andere beigebracht haben, etwa wie Psalmen oder formulierte Gebete. Vielleicht denkt Scazzero, dass ich noch unreif bin (wohl auf der ersten Stufe!). Wird schon stimmen. Aber bis ich reifer bin, muss ich wohl mit meiner Bibel und angefochtenem Glauben auskommen, bis Gott alles in allem wird.

Thursday, July 02, 2009

Freiheitswahn

Pirate-Bay, ein Film und Musik Raubkopie-Webseite (vornehm: Tauschbörse), von pubertierende Schweden gegründet, ist für 30 Millionen Kronen verkauft worden an irgendeine Firma. Die Gründer haben sich als Befreier dargestellt, die sich gegen globale Konzerne durchsetzen, um die arme, mittellose Jugend zu schützen vor den unverschämten Preisen von CDs und DVDs.

Mit dem Verkauf von Piratebay ist der Freiheitsruf enttarnt als doch bloßes Selbstbehauptungsmanöver – die Gründer haben sich ohnehin durch die Werbeeinnahmen bereichert und nun sitzen sie da mit gefüllten Bankkonten. Ein Blogger druckte es schön aus: „Alles ist käuflich, auch eure Pseudointegrität“ (Quelle: FAZ heute).

Ein weiterer Freiheitsruf, die ich mit zunehmender Skepsis begegne, ist die Blockade der Sperrung von rechtswidrigen Internetseiten. Ich habe zahlreiche blogs gelesen, die gegen die Gefahren eines totalitären Staats warnen und mit dem neuen Gesetzesentwurf die Wiederbelebung des Stasis oder der Anfang von Chinas geplanter „Grüner Damm“ sehen.

Diese Gefahr ist m.E. eine mögliche, aber: wenn man zuerst die Vorstellung des Internets als rechtsfreie Zone ablehnt und zweitens anerkennt, dass der Rechtsstaat (im Unterschied zur, etwa, Anarchie) eine sinnvolle Regelung für das Zusammenleben vieler Menschen ist, dann fehlen alle Argumente für eine Position, die eine gewisse Rechtsregelung des Internets in Frage stellt.

Es besteht die Gefahr, dass die Sperrung auf völlig legitime Meinungen ausgedehnt wird. Aber doch genau die gleiche Gefahr besteht bei einem Staat, der Polizisten beauftragt und eine Rolle für die Justiz vorsieht. Die Justiz kann schief gehen, Internet-Sperrungen können schief gehen. Aber daraus den Schluss zu ziehen, beide sind unnötig, ist zu kurz gedacht.

Der Staat hat die Pflicht, solche Sperrungen von dubiösen Internetseiten zu vollziehen, genauso wie Polizisten für Ordnung und Schutz der Bevölkerung sorgen.

Wednesday, May 20, 2009

schwach

Rom, ca. 1. - 3. Jhd:


Hessen
, Germany 2009:


Christen sind schwach. Wenn Menschen sie oder ihr Glauben diffamieren, dann wehren sie sich nicht. Sie organisieren kein Fatwa, untersagen einen heiligen Krieg, und lassen sich ins Gesicht spucken, weil sie dem Friedefurst nachfolgen.

Thursday, May 14, 2009

Den Menschen zulassen - über die Genese von Homosexualität

Evolutionsbiologisch gesehen, ist das Phänomen homosexuelles Verhalten keine Selbstverständlichkeit, aufgrund des eindeutigen Selektionsnachteils. Doch ist die populärwissenschaftliche Darstellung der biologischen Evolution oft zu oberflächlich um viele Phänomene der Natur zu erklären.

Darum suchen Wissenschaftler komplexere Modelle um die Genese der Homosexualität zu verstehen. In der "Ursachenforschung" der Homosexualität gibt es zwei Hauptströmungen, die sich nicht gegenseitig ausschließen, doch eine unterschiedlichen Schwerpunkt aufweisen.

Die einen finden eine biologisch-genetische Erklärung am Plausibelsten. Zwillingsforscher Michael Bailey behauptet, dass die „Suche nach angeborenen Ursachen einen stetigen Zuwachs an Evidenzen [zeigt].“ (Atkinson, Einführung in die Psychologie, 378).

Dagegen messen andere eine entwicklungspsychologische Erklärung eine höhere Plausibilität zu. Etwa Daryl Bem schätzt den Einfluss der Umwelt viel höher ein als den Einfluss der Gene. Seine exotic becomes erotic-Theorie
liefert eine Erklärung sowohl für das Überwiegen von Heterosexualität als auch für das Vorkommen von Homosexualität in der Gesellschaft: Homosexualität sei Folge einer „ausbleibenden Geschlechtskonformität“ in der Kindheit (Atkinson, Einführung in die Psychologie, 378). Die EBE-Theorie behauptet, dass das, was uns in der Kindheit Verachtung bzw. Besorgnis bereite (d.h. das uns fremde Geschlecht), in späteren Jahren erotisch anziehend wirke.

Beide Strömungen der Forschung widerspiegeln eine generelle Differenzierung innerhalb der Wissenschaft als Ganzes, die bei vielen Phänomenen entweder der Umwelt oder den Genen eine höhere Bedeutung zumessen. In der Tat sind beide Ursachen nicht voneinander zu trennen - genetische Unterschiede bedingen psychosoziale Entwicklung. Das „Anders-Sein“ im Vergleich zur Umwelt wird durchaus von genetischen und hormonellen Faktoren beeinflusst, da Temperament und Persönlichkeit(selbst zum Teil genetisch bedingt) die Aktivitätspräferenzen bestimmen, die ein Kind „nicht-konform“ machen können. Ein Mädchen ist etwa für andere Mädchen „nicht-konform“ wenn sie die für ihre Kultur typischen Jungen-Aktivitäten immer wieder bevorzugt.

Francis Collins fasst zusammen, dass sexuelle Orientierung in diesem Sinne „genetisch beeinflusst" sei, "aber nicht durch die DNA programmiert“ sei (Gott und die Gene, 212).

Es versteht sich von selbst, dass in einer Situation, wo renommierte Wissenschaftler uneinig sind über die genaue wissenschaftlich wahrnehmbare Ursachen der Homosexualität, dass es unredlich ist, sich dogmatisch über die Ursachen zu äußern. Gerade deswegen bedarf es der Wissenschaftsfreiheit, dieses naturwissenschaftliches Phänomen zu verstehen.

Bei diesem eher trocken-sachlichen Beitrag ist es vonnöten, eine ganz andere Perspektive Raum zu geben. Wer mag es, wenn über einem in der 3. Person geredet wird? Welchem heterosexuellen Paar gefällt es, eine psychosoziologische oder biologische Erklärung ihrer Ehe zuzuhören?

Es ist m.E. nötig, die persönliche Perspektive nicht auszublenden. Wie erfahren Menschen, die sich als homosexuell bezeichnen, ihre Homosexualität? Was für eine Rolle hat es in ihrem Leben gespielt? Empfinden sie ein Wunsch nach Veränderung? Oder empfinden sie Freude darüber, dass es so ist, wie es ist? Hier bedarf es auch die Meinungsfreiheit, eine Pluralität an Erfahrungen zuzulassen und keine von den anders Empfindenden zum Schweigen zu bringen.

In diesem Sinne, während ich mich von allen fundamentalistischen, lieblosen, menschenverachtenden Positionen distanziere, die bedauerlicheweise auch von sogenannten Christen zu hören gewesen waren bzw. sind, möchte ich für das Zulassen des APS-Kongress plädieren, um der Wissenschaftsfreiheit willen aber vor allen um der Menschen willen - weil die Erfahrung des Einzelnen zugelassen werden muss.